Geschichten
Vereinsgeschichten und Stories
Teil I Rudi Zott erinnert sich:
1976 hat alles begonnen. Ein
bunt gewürfelter Haufen Club-Fans beschloss im Würzburger Hof
bei Bier und Wein, am Turnier der örtlichen Vereine teilzunehmen.
Weinrote Trikots, ein Sonderposten beim Sporthaus Brümmer wurden
für 100.– DM gekauft und eine Mannschaft angemeldet. Damals
waren dabei: Dieter Röhm (der Alte), Werner Richter (Schorschl),
Karl-Heinz Brückner (Mathias Kneissl), Bernhard Schlereth (Butz),
Helmuth Röhm (Coluna), Peter Katzorek (Katzmarek), Gerd Langer
(Grandler), Vico Fenü (Kneipenwirt), Peter Pöpple (Barny
Gröllheimer), Helmuth Volpert (Ocker), Günther Hofmann
(Gummi) und Hubert Hupfloher (Hupfer). Rudi Zott trug damals einen
Nasengips mitten im Gesicht, sah aus wie Dracula persönlich und
durfte deshalb nicht mitspielen. Gleich in unserem ersten Turnier
erreichten wir das Endspiel, das wir erst nach Elfmeterschießen
gegen die Raiffeisenbank verloren. Ausgerechnet unser Peter konnte
damals seinen Elfer nicht versenken, aber nach diesem sensationellen
Start waren praktisch die Club-Fans Veitshöchheim geboren.
Werner Richter übernahm
als Spielermanager die Führung unserer Truppe und wir wurden zu
einem festen Bestandteil der örtlichen Szene. Um Geld in unsere
leere Kasse zu bekommen wurde schon bald das erste 3-Tage Fest
veranstaltet. Harald Röhm (Hauer) stellte sein damaliges
Grundstück an der Hofellernstrasse zur Verfügung und das
erste von vielen sagenumwobenen Cluberer-Festen nahm seinen Lauf. Das
Bier floss in rauen Mengen. Als Bar wurde kurzerhand Haralds
Ziegenstall umgebaut und mit Asbach aufgeladen. Ein Hütchen
kostete eine Mark. Davon konnten wir das ganze Fest finanzieren!
Haralds Geißbock fand in Karl-Heinz Brückner einen echten
Freund, der sogar beim Bock im Käfig schlief. Schon bald waren die
beiden geruchsmäßig nicht mehr zu unterscheiden. Als Kalle
das Viech auch noch küssen wollte, biss ihm dieses jedoch in die
Zunge. Ob aus Liebe oder weil Kalle so schlecht küsste, wurde nie
ganz geklärt.
Günther Wehner (Loisel) und Nikolaus Röhm (Pico) waren in
eine kleine Grube (Bombentrichter) gefallen und schafften es 12 Stunden
lang nicht, wieder heraus zu krabbeln. Ein Geist aus Rüdesheim
soll daran Schuld gewesen sein. Vermutlich war es auch dieser Geist,
der Loisel nach drei Tagen ohne Schuhe und Hemd wieder nach Hause
führte.
Manfred Bäcker (Haus und Hofpolizist) ging ohne Brille nach Hause.
Die hatte er nachts im Wald als Voyeur verloren. Verloren hatte auch
sein Polizeihund. Manni ließ ihn nämlich gegen Hauers
gewöhnlichen Feld– Wald und Wiesenhund antreten. Manni
meinte: „Lass sie doch mal kurz gegeneinander Kämpfen, damit
dem Hauer sein Hund merkt, was echte Polizeiausbildung bedeutet. Der
Kampf dauert eh nur 10 Sekunden.“ Hauer meinte, dass sein Hund
kein Spielhund wäre und ließ es geschehen. Hauers
„Köter“ biss Mannis Schäferhund sofort ins Bein
und bekam zur Belohnung eine dicke Bratwurst und einen kräftigen
Schluck aus dem Biereimer, der unter dem Pilsfass stand. Manni
schleppte seinen Hund tatsächlich nach nur 10 Sekunden zum
Tierarzt. Vermutlich war sein Hund taktisch falsch eingestellt, hatte
die Räume nicht eng gemacht und den Gegner nicht genügend
unter Druck gesetzt.
Taktisch klug hingegen verhielt stets Attila, Gummis Hund. Der wusste
immer, wo das Tropfbier stand. Er fraß auch nicht nur
gewöhnliche Bratwürste, sondern schaffte es auch mal, eine
ganze Gulaschkanone, eine Morgengabe frisch von Hans Leitersbach
serviert, fast im Alleingang raus zu schlappern, nur weil sie auf dem
Boden stand. Allerdings einmal war ihm die Gunda böse, weil er
deren Donauwellen gefressen hatte. Geärgert hat sich die Gunda
aber auch, weil der Winklers Fred, der Zotts Rudi, der Gummi und die
Weisers Gabi zusammen (!) ausgerechnet in dem Wännchen baden
mussten, in dem die Gläser gespült wurden. Aber Ärger
gab es praktisch auf jedem Cluberer-Fest. Schorschl zum Beispiel reiste
gruundsätzlich 22 bis 4 mal ab, um nach Stunden beleidigt wieder
zu kommen. Hauer musste grundsätzlich seinen Platzhirschen heraus
hängen und ein paar Schellen verteilen. Auch das störte
eigentlich keinen. Ob bei Weisers auf dem Wochenendgrundstück, bei
Pit auf der Ranch, auf Hauers Waldgrundstück, bei Mroseks im
Höfle oder auf dem Grillplatz, alle Club-Feiern waren ein Wahnsinn.
Besonders schwierig war immer die Sache mit dem Stromaggregat. Werner
Lindner (Hinkebein-Toni) war deshalb fest als Maschinist engagiert.
Leider verlor er öfters den Überblick und wir hatten keinen
Strom. Einmal brachte uns der Grafs Toni ein riesiges Aggregat weil
unseres wieder ausgefallen war. Das Gerät fiel am Eingang vom
Festplatz vom Wagen und keiner schaffte es, das Monstrum auch nur einen
Zentimeter zu bewegen, weil es viel zu schwer war. So blieb es dort 3
Tage lang liegen. Am dritten Tag kam der Grafs Toni mit einem Kranwagen
und lud das Ding wieder auf. Dann trank er noch schnell so 15 Bierchen
und fuhr mit dem Kranwagen samt Aggregat in den gegenüberliegenden
Straßengraben. Unverletzt stieg er dann aus, kam zurück zum
Fest und trank weiter. Wie und warum Toni und das Aggregat erst eine
ganze Woche später heimkamen weiß vermutlich auch nur der
Geist aus Rüdesheim.
Die Feste nahmen immer,
größere Ausmaße an. Einmal haben wir in 3 Tagen 48
Liter Asbach getrunken. Der Steinert unser Hoflieferant brachte stets
zweimal am Tag kühles Bier. Auch unser Essen wurde immer
pompöser. Haxen oder Steckerlfisch reichten nicht mehr aus. Ronald
Rupp, (Ranny) fuhr einmal mit seinem Eismann-Tiefkühlkostwagen vor
und servierte vom Feinsten: Rehbraten, Fasanbrüstchen mit
kandierten Früchten und Eis in allen Variationen. Wie er das dann
abgerechnet hat, weiß kein Mensch., aber geschmeckt hat`s Echt toll.
Einmal, das Fest war um und wir hatten gerade alles abgebaut, tauchte
Fred Pohley mit seiner Gitarre auf. Sofort wurde Jürgen Kolb
(Pöschl) nach Hause gefahren, um sein komplettes Schlagzeug zu
holen und die beiden gründeten eine Combo. Das Fest wurde
kurzerhand verlängert. Da aber viele am Montag hätten
arbeiten müssen, wurde am Montag früh kurz unterbrochen und
alle holten sich einen Krankenschein. Bei einem Hausarzt trafen sich 8
Cluberer im Wartezimmer. Dann wurde weitergefeiert. Es wurde das
längste Club-Fest aller Zeiten.
Aber es gab nicht nur Clubfeste. Wir besuchten auch äußerst
erfolgreich zahllose Fußballturniere. Unvergessen sicher unser
Auftritt 1981 in Schrozberg. Das erste Spiel verloren wir noch 1:0.
Doch tranken wir damals als Markenzeichen immer schon zu jeden Spiel
bereits beim Einlaufen einen Becher voll Asbach. So wurden wir zum
größten Erstaunen aller anderen Gäste von Spiel zu
Spiel stärker. Im Endspiel zauberten wir „wie im
Rausch“ und gewannen das Turnier.
In Reuchelheim hatten wir keinen Schlüssel für unsere
Umkleidekabine gebraucht, weil alle durchs Fenster ein und ausstiegen.
Weißbier aus Maßkrügen hieß damals unser
Zaubertrank, der uns zum Turniersieg führte. Aber keiner neidet
uns unsere Erfolge, waren wir doch stets auch überall, wo wir zu
Gast waren, in jeder Bar die Umsatzkönige vor während und
nach dem Spiel.
Stark waren auch unsere Ausflüge Edgar Schneider (Schneckenmeck
oder auch der einzige weiße Neger vom Konti) hatte eine Fahrt
nach Tutzing zu unserem ehemaligen Jugentrainer und Meistermacher
Walter Mahr organisiert. Kurz vor der Abfahrt sagte Schneckenmeck
jedoch seine eigene Teilnahme ab (angeblich hatte seine Oma einen
Eisprung). Vom Proviant her waren wir ausgerüstet als ging es
für 3 Jahre in den Kongo. Doch als wir mitten in der Nacht bei
Walter ankamen, öffnete niemand die Tür. Kurzerhand schlugen
wir im Vorgarten ein Lager auf und schliefen dort im Schlafsack. Als
Walter dann früh aus seinem Küchenfenster schaute traf ihn
fast der Schlag. Woodstock war ein Kaffeekränzchen gegen das, was
sich da in seinem Vorgarten abspielte, leere Flaschen,
halbentblößte Cluberer und die gesamte Nachbarschaft am
Gartenzaun hielten Siesta. Obwohl uns Walter versicherte, dass er keine
Ahnung von unseren Besuch hätte, blieben wir natürlich da.
Seine Kinder Sarah und Daniel mussten ihre Zimmer räumen und wir
wurden einquartiert. Am halfen wir Walter, bei einem Nachbarn einen
Baum zu pflanzen. Dieser staunte nicht schlecht über diesen tollen
„Bautrupp“ , den Walter da mitbrachte. 7 Mann hielten
Bocksbeutel in der Hand und einer die Schaufel. Der mit der Schaufel
war unser Grandler. Mit Kippe im Mundwinkel zeigte er allen, was ein
echter Eisenbieger drauf hat. Als jedoch Schorschl die Frechheit
besaß, die tiefe der Grube nachzumessen, flog die Schaufel im
hohen Bogen in den Dreck. Grandler beanspruchte für seine Leistung
in dieser Nacht auf Walters Sofas schlafen zu dürfen. Als er sich
Nachts tatsächlich auf die Couch legte, maulte ihn Dieter, unser
Alter, energisch an, weil eigentlich ausgemacht war, dass das Sofafrei
bleibt. Als Antwort hob Grandler seinen Hintern etwas an und ließ
einen fahren, einen von der härteren Sorte. Ruck Zuck waren die
Scheiben beschlagen und manche von uns bekamen gelbe Schnäbel.
Daraufhin floh Dieter über den Balkon ins Freie, lief der
Eisenbahnschiene nach und wart tagelang nicht mehr gesehen.
Sehr beliebt waren auch
unsere Fahrten zum Club. Am 21. September 83 fuhren wir mit dem Zug
nach München zum Spiel gegen Bayern. Schorschl hatte Geburtstag
und 3 Flasche Wodka-Orange unter dem Arm. In Rottendorf waren die 3
Liter schon getrunken. In München Hauptbahnhof angekommen schlief
Waldi Hartmann, Gast aus Erlabrunn, auf der Rolltreppe auf Ernst
Lieblers Schulter ein. Einige schafften es dann nur noch in den
Matthäser Bierkeller und nicht mehr bis ins Olympiastadion.
Schorschl schüttete im Stadion seinem Vordermann vier volle Becher
Bier ins Kreuz und sich selber zwei über den Kopf. Seine Frau war
zu diesem Zeitpunkt längst abgereist. Auf der Heimfahrt erwischten
Tiger Kurt und Heini Wolf den falschen Zug. Leider hatten aber
ausgerechnet diese beiden unseren Proviantkoffer dabei. Während
sogar Bahnpolizisten betrunken in Würzburg Tigers Zug
verließen, machte im anderen Zug der Restaurantkellner das
Geschäft seines Lebens. Nicht einmal ein einziger Flachmann war
dort noch vorzufinden. Wie das Spiel ausging wussten an diesem Tag nur
wenige Geheimnisträger.
In 22 Jahren Club-Fans Veitshöchheim gab es natürlich nicht nur Feiern.
1986 führte Werner
Richter gemäß Beschluss einen Beitrag von 24 DM ein, der
heute noch gültig ist. Anfang der 90 er Jahre waren dann
Aktivitäten rar geworden. 1993 übernahm Rudi Zott den Verein.
Zusammen mit Udo Dütsch als zweiten Vorstand und Peter Katzorek
als Kassierer gab die neue Vorstandschaft dem Verein eine ordentliche
Satzung und trug den Verein ins Vereinsregister der Gemeinde ein.
Fortan gab es Mitgliederversammlungen, in der die Vorstandschaft
gewählt und die Kasse von Revisoren geprüft wurde.
Während der Club in Nürnberg ein ums andere mal abstieg,
blühte unser Fan-Club wieder auf. Einer der zahlreichen
Höhepunkte war sicher unsere Ehrenrunde im Frankenstadion vor
imposanter Kulisse. 1997 übergab Zottl, der eigentlich nur ein
Jahr Vorstand bleiben wollte, das Zepter an seinen Stellvertreter
weiter. Seither geht’s mit dem 1.FC Nürnberg ebenfalls
wieder aufwärts. Freuen wir uns also auf die neue Saison und auf
noch viele Club-Feiern.
Teil II Rudi Zott erinnert sich
Im 1.Teil unserer
Veitshöchheimer Geschichten waren wilde Stories aus den Jahren 76
bis 96 zu lesen. AAAber, es ging ja weiter, wie´s eigentlich
immer irgendwie weiter geht mit unseren Suuuba-Club.
Die Profis waren bis in die Regionalliga abgestiegen. Dann begann eine
neue Ära. Udo Dütsch war bei den Veitshöchheimer
Club-Fans vom 2ten zum ersten Vorstand aufgestiegen und führte
nicht nur uns zu neuen Ru(H)mes-Taten. Der Club eilte von Sieg zu Sieg
und wir feierten natürlich mit.
Unvergesslich das Spiel in Weismain. Verstärkt mit Udo Puchtas
Bitburger Team (Hupps Paul, Deubels Manni und andere Leistungs-Trinker)
donnerten wir zusammen mit 15000 weiteren Fans über die Highways
nach Oberfranken in die 3000 Seelen Gemeinde. Unser Vorstand spielte DJ
und schepperte uns Dieter Thomas Kuhn um die Ohren, dass dessen
Schmalzlocken schon aus dem Cassettendeck heraus hingen.. Bereits 4 bis
5 KM vor dem Ort hatte irgend so ein Rindvieh mit Club-Papper auf dem
Auto geparkt. Prommt parkten brav alle Hutsimpel aus nah und fern
sooweit außerhalb und hatschten dann zu Fuß durch das ganze
Kaff Richtung Waldstadion. Die Einheimischen empfingen uns mit
Club-Fahnen und Wohlgesängen. Eltern erklärten ihren Kindern:
Das sind die Cluberer, die müssen heute unbedingt gewinnen, damit
unser Club aufsteigt. Nächste Woche schrein wir dann wieder
für unsere Weismainer.
Das Stadion brach aus allen Nähten. Sehen konnte man allenfalls
die Bierverkaufstände. Aber der Akustik nach wussten all am
Schluss: wahrscheinlich hat der Club gewonnen! Reiner und Dieter
Wirsing, beide spielten für Weismain (genau der Reiner wo damals
gegen die Bayern des dolle Tooooor äh wahnsinn) besorgten uns
VIP-Karten für die Privat-Lounge und wir feierten bis in die
Puppen bei Ice-Beer und Boonsfarm.
Auf dem Heimweg durch das verträumte Dörfchen sah es aus wie
damals beim Mahrs Walter, wo mir Jugendmeister worn sin: Das ganze Kaff
einschließlich Mülleimer leergesoffen und leergefressen. Kee
Wunner bei dere Preise: 1 Maß Bier kostete 5 Mark, ein Schnitzel
mit Pommes 5 Mark fuufzich. Und was für Abortdeckel! Da konnte nix
über bleiben. Selten waren wir Auswärts so verwöhnt
worden.
Wir besuchten jetzt dank Udos Initiative wieder erheblich mehr Clubspiele.
Dann, nach bitteren 3 Jahren, genau nach 1115 Tagen, gab es endlich
wieder etwas Großes zu feiern: Aufstieg! Zwar war es nur der
kleine Sprung in die zweite Liga aber wir beschlossen sofort, unseren
Asbach, Whisky und andere Cola-Verdünnungsmitel auszugraben. Da
keiner so recht wusste, ob net vielleicht sein letzter Aufstieg im
langen Clubererleben ist, wurde Tigers Gärtle kurzerhand
umgeschoren und die braune Pracht in Sicherheit (in insere Därma)
gebracht. Es war, so meinten viele, der beste Asbach, den wir je
tranken.
Im Jahre 98 kam es dann zu einem echten Scharmützel. Der
Gra(N)dler forderte den Udo heraus zum Kampf um den Kappo-Posten.
Allerdings nicht offizell, sondern nur am Tresen, wenn Udo gerade nicht
da war. So war dieser doch sichtlich überrascht, als es auf der
Generalversammlung plötzlich hieß: Udo versus Gra(n)dler.
Der Gerd hatte zuvor noch ein paar neue Mitglieder im Würzburger
Hof aufgenommen und natürlich gleich mitgebracht. Diese wussten
allerdings kaum mehr, ob sie hier Wagners Ring der Nibelungen
hören oder einem Swinger-Club beitreten sollten.
Aber sie wussten noch, wer das Bier bezahlt hatte und wählten
unheimlich heimlich den Gerd. Ich war Wahlvorstand und ließ es
mir nicht nehmen, die geheimen Wahlzettel selbst einzusammeln.
Geschickt sorgte ich dafür, dass die rechten Wahlzettel rechts und
die „linken“ Wahlzettel links im Hut lagen. Dann wurde laut
vorgelesen: Langer, Langer Langer...sieben mal. Ein Raunen ging durch
die Massen.
Gra(n)dler hatte seinen rechten Arm stark angewinkelt und schaute
gebannt auf seinen Bizeps. Die linke Hand spielte lässig an seinem
Bierglas und in seinem Mundwinkel qualmte eine Rothhäandle (oder
wars ä Overstolz?).
Nun konnte ich die anderen Stimmzettel vorlesen lassen. Alle für
Udo, der die Wahl natürlich gewann. Gerd (immerhin 2 ter Sieger)
wischte sich das Pitralon vom Kinn und gratulierte Udo (Vorletzter von
2).
Hoch und heilig versprach er ein Säukopf_Essen auf seiner
Sendelbach_Ranch. „Abba bei mia gibt‘s kee so ä
billiges Gelump, da gibt‘s ganze Säuköpf, mit
Rüsseli, Schwänzli, Öhrli und Bäckli zum
abschneide, verschteest?
Das hörten wir dann so wöchentlich 17 mal bis zum 22. August. Dann war es so weit.
Wie die Hanghühner standen wir auf Gerds Grundstück im
Sendelbach und starrten gebannt auf Sauköpf, die uns seine
Schwestern servierten: klee geschnittenes Kesselflääsch mit
viel Blüüh. Aber geschmeckt hats natürlich trotzdem
prima.
Überraschend gut verstanden sich nun der Udo und der Gerd, ja so
gut, dass die zwä im Jahr drauf g‘heiert ham! Nää,
net gegeneinander, aber kurz nacheinander.
Allerdings hat der Udo ihn da gleich wieder übertrumpft, weil er
sofort ein Golden Goal (Gluberer-Nachwuchs) erzielte, während der
Grandler noch keine Granate ins Ziel gebracht hat.
Die Vorstandschaft bot nun ein Event nach dem anderen an.Stammtischfeiern, Turniere und Fahrten wechselten sich ständig ab.
Besonders die Weihnachtsfeiern entwickelten sich zu beliebten Unterhaltungsshows.
Allein die Fahrt im Doppelstockbus mit den Löwen ins
Olympiastadion könnte Seiten füllen.11 Mann gleichzeitig auf
dem Ein-Mann_Clo zogen sich den Duft von Marlboro Light und Lexo ohne
Filter (unser Lonesome Cowboy) rein.
Winni das Handtuch hatte wieder mal 3 Handtücher und 29 Paar
Pfefferbeißer dabei, von denen „Walter der Cafe“ 29
Paar verteilt hatte, bevor Winni stolz die erste Wurst Anbieten konnte.
Unser Club schaffte es natürlich die Löwen in ihrem eigen
Käfig zu schlagen, wir hatten aber dafür personell
größere Verluste. Winni wurde an einer Raststätte wegen
zu langsamen auspacken beim Urinieren ohne Handtuch stehen gelassen und
Lexo ging in der Auwaldsee-Gaststätte in einer Disco verloren.
Aber bei einem guten Verein findet sich alles wieder.
Es hätte alles so schön sein können, wenn da nicht
dieser saudumme 29.Mai gekommen wäre. Club Platz 12, letzter
Spieltag und wieder schafft der Club das Unfassbare: er steigt ab.
Pfffzz
Es war wohl eine der allerschwärzesten Stunden in jeder
überdurchschnittlichen Cluberer Karriere. Schorschel schwor, 5 (in
Worten: fünf) Jahre das Frankenstadion nicht mehr zu
belästigen. Seitdem wird ab und zu eine Person inkognito mit
Sonnenbrille und tief vermummt vor dem Stadion beobachtet, aber Beweise
gibt‘s noch net.
Jetzt hatten wir keinen Bock mehr, Flaschen zu vergraben. Der Mee wurde
eingenebelt, Schelche glitten lautlos übers Wasser. Hie und da
sappte einer laut fluchend in Entenscheiße. Fackeln verbreiteten
gespenstisches Licht.
Und dann, mitten drin die Cluberer, grölten mit
majestätischen Gesang „Und wir steigen wieder auf,
Hallelulja“
Uuuuuuuuuuuunglaublich!
Für jeden Club-Spieler, der am Abstieg beteiligt war (immerhin 29
Mann, obwohl, Baumann könnte eine Mimose sein, sonst hätt der
doch des Ding net vergurkt..) wurde eine Flasche geleert und in den
Fluten versenkt. Mögen die bösen Abstiegs-Geister einen Weg
durch den Main-Donau-Kanal finden und irgendwo an der Isar landen!
Allmächt! Heiliger Metzgermeister Heinz Strehl, steh uns bei.
Gleichzeitig wurde Friedel die Macho-Sau geboren. Ein Schwein das Geld
frisst. Und das wird nur beim Aufstieg geschlacht, ham halt gesacht.
Mitsammt Rüssele und Öhrli und so. Und damit se a schö
fett wird, ließen sich Peter und co bei der letzten
Weihnachtsfeier einen riesigen Fragebogen einfallen. Wichtig war
eigentlich nur die Gewichtsangabe. Aber des hat ja sonst kenner
gewisst. Es kam, wie es kommen musste, das Gewicht wurde bei jedem
überprüft.
Hauptwaagemeister Kurt der Tiger (Cluberer seid es Dinosaurier gibt)
klemmte bei jedem seinen großen Zeh mit auf die Waage und schwups
wurde aus Stan Laurel ein Oliver Hardy. Pro Kilo gabs Märker in
die Sau, bei mir allees scho 26 Stücker. Awer wenn‘s
fürn Aufstieg is….
Aber es sieht ja scho wieder ämal klasse aus. Die Club-Fans haben
dem 100 ten Geburtstag des FCN bei Riesentorte (40 auf 60) und Kaffe
gefeiert und jetzt steng mer mit 16 Punkten vor einem
Nichtaufstiegsplatz. Des hesst: irgendwas passiert widder, abba was?
Irgendwann wird der Maxl Morlock vom Himmel runner schaun un Beifall klatschen.
Und ens schwör ich: mir sin dabei. So oder so.
Ein Vierteljahrhundert Club-Fans Veitshöchheim oder 25 Jahre im Leben des 1.FC Nürnberg
Nachdem wir schon jahrelang immer
wieder gemeinsam vor dem Fernseher des Würzburger Hofes um den
Ruhmreichen gezittert haben, war dann letztlich das erste
innerörtliche Turnier für Stammtisch– und
Freizeitmannschaften im Sommer 76 für uns der Anstoß, eine
Mannschaft der Club-Fans zu melden. Ein Dutzend Veitshöchheimer
Glubberer nutzten auch gleich dieses Turnier noch, um einen
ordentlichen 1.FCN Fan-Club zu gründen. Unter dem Teammanager
Schorschl erfolgte diese Geburtsstunde der Club-Fans Veitshöchheim
wenige Tage nachdem der Nürnberger Club zwei Aufstiegsspiele gegen
Borussia Dortmund verlor und damit den ersehnten Wiederaufstieg in die
1.Bundesliga verfehlt hatte.
Knapp verpasst haben leider auch wir bei unserem ersten Auftritt den Turniersieg.
Im Jahre 1978 war
RW Essen der Gegner in den Aufstiegsspielen. Beim vierten Versuch in
die Bundesliga zurückzukehren galt es dabei auch, ein Ungeheuer
auszuschalten. Mit einem 1:0 Polster aus dem Hinspiel fuhr man am
09.06.78 in die Essener Hafenstraße. Dorthin fuhren an diesem
Freitagnachmittag auch Rudi und Schorschl mit dem Motorrad. Der erste
technische Halt erfolgte zwar bereits am Rothof, doch die beide
erreichten schließlich nach einer Stadtrundfahrt in Essen auch
noch das richtige Stadion.
Aufgrund der
defekten Lichtmaschine musste der Boxenstopp in Essen bis zum
nächsten Tageslicht verlängert werden. Doch Grund genug
für eine größere Feier vor Ort wae gegeben. Denn die
beiden Veitshöchheimer Glubberer durften auf ihren Motorradhelmen
stehend nicht nur Manfred Müller, den Held von Essen, sondern auch
ein hochdramatisches 2:2 erleben.
Leider ist der
Club nach dieser Saison 78/79 als Tabellensiebzehnter wieder
abgestiegen. Da half es auch nichts, dass man aus München den
Hoeneß für 11 Spiele angeheuert hatte.
Schon in der
nächsten Saison qualifizierte sich der Club wieder fürs
Fußball-Oberhaus. Doch zunächst musste bereits nach drei
Spieltagen der Trainer gehen, ausgestattet mit einem Schuhkarton und
der Abfindung drinnen! Unter seinem Nachfolger Zapf Gerhardt konnte der
Club vier Spieltage vor Schluß bei einem Sieg gegen KSC den
direkten Wiederaufstieg perfekt machen. Zeugen dieses missglückten
Versuches war unsere Abordnung in schwarzen Anzügen und Zylinder
als ein stilgerechtes Outfit für die vorgesehene Aufstiegsfeier.
Doch der KSC hatte keine Angst vor den schwarzen Männern auf der
Tribüne und erzielte ein 1:1. So musste man bis zum vorletzten
Spieltag und auf einem 1:0 Sieg beim MTV Ingolstadt warten.
Ein kleines
Jubiläum gab es dann in der Rückrunde dieser neuen
Erstligasaison. Für Trainer Heese war schon einen Tag vor
Aschermittwoch alles vorbei. Der 20. Trainerwechsel beim FCN seit dem
Start der Bundesliga 1963 war damit vollzogen.
Wir konnten
unseren ersten Turniererfolg schließlich im Herbst 1981 feiern.
Auf dem Sportplatz von Schrozberg, der mehr an eine
Mittelgebirgslandschaft erinnerte, hat unsere Fan-Club-Auswahl dank des
großartigen Stehvermögens den Pokal geholt. Nach einer
Runde - mit dem üblichen Trainerwechsel in der man
schließlich den Klassenerhalt mit der Eichhörnchenmethode
sicherstellte, war der Club nach langer Zeit wieder im
DFB-Pokal-Finale. Wir verfolgten dieses Spiel bei unserem Senior Walter
(verstorben) in dessen Spezialitätengaststätte „Zur
Bahnhofsrestauration“. Während der Halbzeitpause wurden
schon Hütchen aufgefahren. Doch die Wirkung unserer Drogen reichte
nicht bis nach Frankfurt.
Lange vor
Abschluß der blamablen Saison 83/84 stand der FCN als Absteiger
fest. Vier Trainer in 34 Punktspielen waren vielleicht doch einer
zuwenig.
Erstaunlicherweise
durfte nach dieser Spielzeit erstmals ein Trainer in Nürnberg
bleiben, obwohl er bis dahin völlig erfolglos gearbeitet und sogar
eine Serie von zehn Niederlagen in Folge aufzuweisen hatte!?
Premiere hatte
auch unsere Begräbniszeremonie. Ein Holzsarg mit wertvollem Inhalt
wurde unter großem Wehklagen, aber auch mit lautstarken
Beschwörungsformeln ca. 80 cm tief in Pit‘s Ranch vergraben.
Im Jahre 1984
konnten wir erstmals das innerörtliche Turnier gewinnen.
Wichtigste Grundlage hierfür war die Vorgabe, die sang– und
klanglos abgestiegenen Kicker im weinroten Dress nicht als Vorbild zu
nehmen. Natürlich haben wir auch nicht die Trainerinflation
kopiert. Unsere Trainer saßen immer fest im Sattel.
Im Herbst des
Jahres 1984 konnte der 1.FCN wieder mit einem Novum aufwarten. Eine
Spielerrevolte gipfelte in der Entlassung von sechs Spielern und nicht
wie üblich in der des Trainers. Fußball-Deutschland schaute
nach Nürnberg. Insbesondere, als nach einem Aufstiegskrimi am Ende
der Saison der Club sensationell als Zweitligameister wieder
aufgestiegen war.
Was keiner der
Trauergäste noch im Vorjahr für möglich gehalten hatte
war eingetreten. Nach einem Umzug vom Kirchplatz zur Steige hinauf,
begleitet von Musik, durfte der Holzsarg mit der 3-Liter-Flasche-die
sich letztlich aber als zu klein erwies - wieder ausgegraben werden.
In diesen
achtziger Jahren hatten unsere Glubberer-Feste einen erheblichen Anteil
am Verbrauch der Getränke, die in 3-Liter-Flaschen abgefüllt
sind. Verschiedentlich ging sogar das Gerücht, dass die
Herstellfirma eine Produktionstätte nach Veitshöchheim
verlegen wollte. Wahrscheinlich gleich neben der Dependance der
Brauerei vom guten Stern. Über den Konsum von Steaks,
Bratwürsten, Hax‘n, fischen oder anderen Teilchen kann hier
aus Platzgründen nicht näher eingegangen werden.
Weil
die folgenden Jahre für die Nürnberger Bundesligageschichte
bislang einmalig sind, soll an dieser Stelle nicht versäumt werden
dies herauszustellen: Neun Spieljahre gehörte unser Ruhmreicher
nun ununterbrochen dem Fußball-Oberhaus an.
Bereits in der
ersten Saison nach diesem unerwarteten Aufstieg war man schon wieder
Deutscher Meister - wenn auch nur Zuschauermeister.
Besonders
glänzen konnten wir im Sommer 86. In Reuchelheim haben wir in
souveräner Manier das Turnier der umliegenden Fan-Clubs gewonnen.
Dabei beherrschten wir über zwei Tage ball, Gegner und Theke
gleichermaßen nach Belieben.
Dieser Erfolg kam gerade rechtzeitig zum 10-jährigen Besten der Veitshöchheimer Glubberer.
„Nürnberg
grüßt Europa“ konnte Günther Koch begeistert,
aber auch erleichtert, am 14.05.88 in sein Radiomikrophon brüllen,
nachdem sich der Club für den UEFA-Cup qualifiziert und auf der
europäischen Fußballbühne zurückgemeldet hatte.
Aber auch wir
waren in dieser Zeit nicht untätig, fuhren ins benachbarte Ausland
und bestritten mit unterschiedlichem Erfolg Turniere in Marktheidenfeld
und Birkenfeld.
Für den Club
war leider nach der ersten Runde im UEFA-Pokal schon wieder
Schluß. Auf der Baustelle Frankenstadion verspielte man noch die
gute Ausgangsposition aus dem Hinspiel.
Ebenfalls einmalig
war das Gastspiel unseres Glubberer-Festes im Hof der Familie Mrosek.
Aus Rücksicht auf die Nachbarn war auf leichte Verdauung zu
achten, so dass nur einige Dutzend Hax‘n geordert wurden.
In der
nächsten Saison bescherte uns der FCN wieder einmal ein
Herzschlagfinale mit gutem Ende. Der Immobilien-Präsi meinte dazu,
dass die „Aktion blaues Auge“ gelungen sei.
Unsere
Veitshöchheimer Glubberer-Mannschaft spielte dagegen gewohnt
souverän auf und belegte einen Platz im sicheren Mittelfeld in
einem hochkarätig besetzten Turnier in Oberthal. Außerdem
holten wir noch den dritten Rang beim innerörtlichen Turnier in
Veitshöchheim.
Historisches
ereignete sich am 25.11.89 im Frankenstadion. Die
Selbstklebeetikettenindustrie bedankte sich dafür mit dem
Aufkleber: „4:0 gegen die Bayern. Ich war dabei“.
Völlig
normale Vorgänge spielten sich dann wieder im Frühjahr 1990
ab. Der Club entließ Trainer Gerland, wir belegten mit unserem
Dreamteam auf dem Betonplatz von Aura den dritten Platz und bei unserem
Glubberer –Fest auf dem Grillplatz gab es heiße
Weißwürste. Feuriges Gulasch und kühles Bier.
Im Spätjahr
1990 befand sich der Club wieder einmal auf einer Durststrecke und
verlor Woche für Woche die Punkte. In einer solchen Phase mussten
natürlich auch wir ungewöhnliche Maßnahmen ergreifen,
um dem Ruhmreichen wieder in die Erfolgsspur zu verhelfen: Am Samstag
stand das Heimspiel gegen Hertha BSC und damit ein weiterer grausamer
Nachmittag auf dem Programm. Als Sofortmaßnahme haben wir
für diesen Samstag früh einen Stammtisch im Spätzeck
angesetzt. Die Vorgabe lautete solange dort sitzen zu bleiben, bis das
Spiel gegen Berlin gewonnen ist. Wenn die Kreissparkasse nicht vor
wenigen Jahren diese Kneipe in einen Schalterraum umgebaut hätte,
würden sicher immer noch einige von uns dort sitzen, denn es gab
ein jämmerliches 1:4.
In der Winterpause
kehrten die verlorenen Söhne Eckes und Charly an den Valznerweiher
zurück. Dazu kam dann auch noch eine Zaubermaus. Auch
zurück– allerdings getreten- ist dann der
Immobilien-Präsi, nachdem seine Vorstandskollegen ablehnten aus
dem Trainer einen fliegenden Holländer zu machen.
Am letztern
Spieltag dieser Saison sind wir dann zum Sportplatz in die
Lohrheide gefahren. Wir erlebten dort, wie der Club mit einem klaren
1:0 Sieg den Kopf gerade noch mal aus der Schlinge zog. Außerdem
durften wir live und ohne Aufpreis sehen, wie Jörg Dittwar nur
noch seine blanke Haut in die Kabine retten konnte, nachdem die
mitgereisten Fans seine ganzen Textilien als Souvenir beansprucht
hatten.
Es folgte eine
richtig schöne Saison mit vielen Auswärtssiegen. Die
Qualifikation für den UEFA-Cup wurde leider nur knapp verpasst.
Dies sollte allerdings für viele Jahre die letzte sportlich
sorgenfreie Spielzeit sein.
Nachdem von der
Konkurrenz der Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung kam, war man
schließlich trotzdem erfreut über die Lizenz für 92/93.
Aber, um Verbindlichkeiten abzutragen, wurden wichtige Spieler
verkauft. Der Herr Präsident aus Lauf focht einige interne Duelle
mit seinen Angestellten aus und es gab wieder ein Zittern bis zum
Schluß. Am letzten Spieltag lag der Club kurzzeitig 0:1 gegen
Saarbrücken zurück und konnte sich schon mal für einige
Minuten als Zweitligist fühlen, bevor der Spieß doch noch
umgedreht wurde.
Zu Beginn des
Jahres 93 haben wir erstmals formell eine neue Vorstandschaft
gewählt: Rudi, Udo und Peter wurden auserkoren, um wieder etwas
Leben in die Veitshöchheimer Glubberer Bude zu bringen. Die
17-jährige Ära unseres Teammanagers ging damit zu Ende. Danke
Schorschl.
Ein erstes
Highlight hatten wir bereits im März. Weil Pink Floyd kurzfristig
absagen musste, spielte im Spätzeck nur für uns die in
Veitshöchheim weltberühmte Oldieband „Blow up“
auf! „Wollt ihr noch einen ?“
Mit dem
Beschluß über eine Vereinssatzung hat dann im
Frühsommer 1993 die Bürokratie auch bei uns Einzug gehalten.
Zum sportlichen Ausgleich haben wir gleich ein Spielchen gegen die
Feuerwehr gemacht und anschließend den Brand im Bauhof
gelöscht.
Wie jeder
weiß, ist eine gute Vorbereitung äußerst wichtig
für den Verlauf einer Saison. Vor dem Beginn der ereignisreichen
Spielzeit 93/94 sprach Trainer Entenmann von einem Mittelplatz als
Ziel. „Wenn es mit einem UEFA-Pokal-Platz klappen sollte,
wäre das eine tolle Sache“. So stand natürlich auch
unser Glubberer_Fest im Sommer ganz im Zeichen der Saisonvorbereitung.
Der Frische-Express Wallesch belieferte unser Trainingslager am
Grillplatz mit allem, was für eine Saisonvorbereitung absolut
notwendig ist: Asbach, Bacardi, Campari, Chivas und andere wichtige
Vitamine !
Diese
ausgezeichnete Vorbereitung zeigte dann auch bald erste Erfolge mit dem
6.Platz beim innerörtlichen Turnier. Damit haben wir schon mal
gezeigt, wie man sich einen UEFA-Cup-Platz erspielt. Die Jungs im
weinroten Trikot hätten sich nur ein Beispiel an unserem
sportlichen Abschneiden nehmen müssen…
Eine ganz neue
Variante in Sachen Trainerentlassung hat sich der kleine Präsident
aus Lauf im November 93 ausgedacht. Nach einem 2:0 Heimsieg gegen
Bayern hat er den wackeren Schwaben Willi entlassen. Wahrscheinlich
hatte die Mannschaft an diesem Tag die große Chance vertan, etwas
für die Tordifferenz zu tun. Wirklich vorausschauend dieser Mann !
An einem
herrlichen Apriltag des Jahres 94 bestiegen wir mit großer
Belegschaft und noch größerer Marschverpflegung den Zug ins
Voralpenland zu unserem Lieblingsgegner. Gleich nach der Ankunft im
Münchner Hauptbahnhof haben wir sofort die mitgebrachten
Bröter und Biere in einem Schließfach deponiert. Winnie
übernahm als Mannschaftsältester die Verantwortung für
den Schlüssel.
Am Abend standen
wir alle, wenn auch etwas verstört, aber doch pünktlich am
vereinbarten Zug nach Würzburg –nur Winnie nicht. Er war
bereits in den Parallelzug eingestiegen-und mit ihm unsere gesamten
Verpflegungsbestände aus dem Schließfach. So hatten wir
nichts zu beißen und nichts zum runterspülen auf dieser ewig
langen Heimfahrt. Doch es gab auch wirklich nichts zu feiern an diesem
ominösen Spieltag.
Unser Abgesang auf
die erste Liga erfolgte schließlich bei Walter im Graf Arco
Stübchen gleich nach dem verlorenen Spiel in Dortmund.
Einige Wochen
später folgte noch unser Trauerzug durch den Veitshöchheimer
Altort, mit dem wir nun auch formell die 1. Liga verabschiedeten.
Anschließend wurde noch eine Blechkiste mit hochprozentigem
Inhalt im Garten des Tigers begraben. So war wenigstens
gewährleistet, dass sich kein Unbefugter an unseren Sachen
ranmacht !
Wir gelobten noch feierlich diese Kiste sofort nach dem Aufstieg wieder auszugraben und den Inhalt zu vernichten.
Die erste Saison
in der zweiten Liga bescherte uns jedoch nicht den erhofften Grund
für die Exhumierung. Im Gegenteil, nur am grünen Tisch konnte
der Club diese Klasse erhalten.
Ganz anders
dagegen waren unsere Sportlichen Erfolge. Beim inerörtlichen
Turnier belegten wir einen guten vierten Platz ! Und dies, obwohl wir
nicht nur altersmäßig, sondern insbesondere
gewichtsmäßig zu den Stärksten zählten. Bei diesen
Spielen zeigte sich ganz deutlich, Daß unsere ansonsten sehr
beweglichen Akteure durch die mittlerweile hautengen Trikots erheblich
beeinträchtigt worden sind. Wahrscheinlich wurden diese in die
Jahre gekommenen Trikots in eben diesen zu oft mit dem falschen
Waschprogramm behandelt.
Richtig ist, dass
der Club im Jahr darauf zum dritten Mal in Folge sportlich abgestiegen
ist. Nicht richtig ist jedoch, dass diese Häufung von sportlichen
Misserfolgen der Grund für unsere Ehrenrunde im Frankenstadion
gewesen sei. Vielmehr waren es die ersten zwanzig Jahre unseres
Fan-Clubs, die im September 96 zu diesem Aufmarsch vor dem
Regionalliga(!)-Spiel gegen den SSV Reutlingen geführt haben.
Im März 97
gab Rudi den Posten des ersten Vorstandes ab, um sich aufs
kommunalpolitische Spielfeld zu begeben. Kronprinz Udo übernahm
seine Funktion, fortan gewichtig unterstützt von Sepper.
Ganz so einfach
sind die Turbolenzen der letzten Jahre in Nürnberg scheinbar auch
an uns nicht vorbeigegangen. Denn erstmals in der Geschichte der
Glubberer-Feste hat das aufgebaute Zelt die Nacht nicht überlebt.
Ein gewaltiger Sturm—mit noch größerer
Durchschlagskraft als der des FCN—hat nachts unsere Festhalle
einfach umgeknickt. Vielleicht empfiehlt es sich zukünftig einen
kompetenten Mann von der Feuerwehr mit der Zeltaufsicht zu betrauen, um
sofort notwendige Gegenmaßnahmen einzuleiten.
Ebenfalls bei
äußerst stürmischen Wetter durften wir in diesen Tagen
die vergrabene Kiste im Revier des tigers wieder ausbuddeln. Denn der
Club war ja schließlich aufgestiegen! Daß natürlich
der Aufstieg in die zweite Liga zu diesem Akt geführt hat,
hätte sich Jahre vorher niemand träumen lassen!
Den
„richtigen“ Aufstieg durften wir aber schon im
nächsten Jahr feiern. Mangels vergrabener Vierziprozenter orderten
wir deshalb nach der Rückkehr vom Spiel gegen Cottbus im
Mainhattan schnell einhundert Freigetränke. Doch damit war es
nicht getan: Schon traditionell war unser Aufstiegsumzug durch den
Altort mit Blasmusik. Ziel war diesmal Pit‘s Biergarten an der
Mainlände. Für das Glubberer-Fest 98 hat uns der
neugewählte zweite Vorstand seine Ländereien im Sendelbach
angeboten. Im Hinblick auf seinen bedrohlich herannahenden 50.
Geburtstag sollte die Festtauglichkeit des Anwesens geprüft
werden. Wir haben zugesagt und festgestellt, dass dort absolut kein
Magerbeton verwendet worden war. Später am Abend waren auch noch
einige 28er Sprieß zu sehen.
Seine Tauglichkeit
als Erstligist konnte der FCN gerade im Frankenstadion nicht immer
beweisen. Erst unter dem vierten Trainer dieser Saison 98/99 konnte
endlich in der Rückrunde gegen Schalke der erste Heimsieg erzielt
werden.
Im Frühjahr
99 beschloß die Generalversammlung unseres Fan-Clubs
zukünftig alle Funktionen auf zwei Jahre zu wählen. Erste
Schatten warf auch bereits das bevorstehende Jubiläum voraus.
Anläßlich unseres 25-jährigen Bestehens haben wir einen
Festausschuß installiert.
Zu einem
Doppelschlag holten wir in der heißen Phase des Abstiegskampfes
aus. Am Vorabend des 1. Mai haben wir den Kress-Bus gechartert,
vollgeladen mit allerlei Brotzeiten und einem Kubik Trockeneios und
sind nach Bochum gebrettert. Ganz tief im Westen hat uns der Auftritt
des Ruhmreichen an diesem Abend stark an den Starlight-Express
erinnert. Mit einem glanzvollen 3:0 Auswärtssieg wurde ein
wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum Klassenerhalt zurückgelegt.
Bereits am nächsten Vormittag, nur wenige
Stunden nach der
Rückkehr,
hatten wir eine weiter Trainingseinheit angesetzt. Frühschoppen
mit Weißwurst war im Treffpunkt zu bewältigen. Vereinzelte
waren Doppelbelastung nicht mehr gewachsen. So musste das abendliche
Sportstudio auf deren Präsenz verzichten. Alles schien seinen Gang
zu gehen. Doch dann kam der letzte Spieltag der Bundesliga-Saison
98/99. Es war Samstag, der 29.Mai 1999: Mir fehlen die Worte !
Es dauerte Wochen, bis wir angemessen reagieren konnten auf derartige konzentrierte Dummheit
Denn
nach diesem überflüssigen Abstieg mussten wir völlig
neue Wege gehen und Althergebrachte Methoden wechseln, um auf diesen
traurigen Vorfall auch für die Zukunft effektiv zu reagieren. Es
hatte sich gezeigt, dass gewöhnlichen Ein– und Ausgrabungen
nicht mehr die erforderliche Wirkung entfalteten. Mit Original
Veitshöchheimer Schelchen fuhren wir deshalb auf den Main hinaus.
Zeremonienmeister Rudi und seine Beschwörungscrew versenkten 29
Bierflaschen, stellvertretend für die in dieser Saison
eingesetzten Clubspieler, in den Fluten des Mains.
Bei dieser
Trauerveranstaltung wurde unsere Aufstiegssparsau „Friedl“
geboren. Eigentlich sollte ihr nur ein einjähriges Leben
beschieden sein. Doch es ist anders gekommen—wie eigentlich
meistens bei unserem Club.
Obwohl der FCN nun
wieder in der 2. Liga kicken musste, haben wir uns ein neues
sportliches Outfit zugelegt, das allemal erstklassig ist. Nach langen
Jahren und ausgedehnten Beratungen einigten wir uns auf die Fa.Kress
als neuen Hauptsponsor und waren auch einverstanden mit einer
Trikotwerbung.
Am 27.11.99 war es
dann soweit: Bei der Jahresabschlussfeier übergab Henry einen
glänzenden Trikotkoffer mit nagelneuen Trikots. Erfreulicherweise
haben diese Trikots Längsstreifen, so dass die körperlichen
Vorteile der Träger damit noch besser herausgestellt werden.
Gleich zu Beginn
des Olympia-Jahres haben wir unsere neuen Textilien bei einem Turnier
in Arnstein durch die Halle getragen. In diesem Jahr der
Millenniumsspiele gingen wir dort schon einmal mit dem olympischen
Gedanken beispielhaft voraus und haben vor allem teilgenommen.
Erheblich
gesteigert hat sich die Glubberer Mannschaft dann beim
innerörtlichen Hallenturnier und erreichte einen respektablen
dritten Platz.
Alls es schon fast
Nacht war bezüglich der Aufstiegshoffnungen des FCN, wurde kurz
vor Fastnacht 2000 der Auge zum neuen Cheftrainer auserkoren.
Einen ganz runden
Geburtstag durften wir am 04.05.00 im Treffpunkt feiern. Der 1.FCN
wurde 100 Jahre. Wie es sich für eine solche Veranstaltung
gehört, wurde mit Kaffee und Kuchen gestartet. Aber nicht
irgendein Kuchen—nein, wir haben uns eine Spezialtorte in Form
eines Fussballfeldes mit dem FCN-Emblem in der Mitte anfertigen lassen.
Irgendwann an diesem Nachmittag ist dem Wirt dann der Kaffee
ausgegangen und wir sind auf andere Getränke umgestiegen. Wie es
sich für eine g‘scheite Feier gehört.
Zu dem erhofften
Aufstieg hat es leider nicht mehr gereicht. Der neue Coach konnte nicht
mehr alles richten, was vorher wie im Rausch verschenkt worden war.
Doch mit einem 2:1 gegen die Leidgenossen aus Mönchengladbach
wurde die Saison versöhnlich beendet. Wir konnten gemütlich
in unserem Bus nach Hause Fahren und mit vereinzelten
Fohlenanhängern das gemeinsame Schicksal begießen.
Im September
besuchten wir dann natürlich auch die ausstellung „100 Jahre
1.FCN“ im Museum Industriekultur. Begeistert sahen und
hörten wir vieles aus Früheren, glorreichen Zeiten. Wenige
Stunden später hatte uns jedoch die Realität wieder
eingeholt: Zweitligaspiel gegen Reutlingen: Aber immerhin ein
ungefährdeter 2:0 Sieg der neuformierten Mannschaft.
Mitten in der
Siegesserie des FCN feierten wir unser Oktoberfest im Würzburger
Hof. Höhepunkt an diesem Abend war zweifellos die
Präsentation und stilgerechte Einweihung unserer neuangefertigten,
riesigen Fahne des Fan-Clubs. Der erste Ausflug unserer Fahne in ein
fremdes Stadion führte nach Ulm und bescherte gleich drei wichtige
Punkte.
Auch zu Beginn
unseres Jubiläumsjahres setzte der Club seine Siegesserie fort.
Selbst er kann sich nun—wie allerorts von kompetenten Fachleuten
zu hören ist—fast nicht mehr vor dem Aufstieg retten. Damit
stehen natürlich auch für uns gewaltige Feste vor der
Tür: Die in den Untiefen des Maines versenkten Flaschen
dürfen wieder aufsteigen und auch für „Friedl“
naht das Ende. Schlachttag Heißt die Parole, bevor auch diese Sau
noch wahnsinnig wird !